Spuren im Regen

Stadtleben | Thomas Trescher | aus FALTER 27/08 vom 02.07.2008

REPORTAGE Mitten in Wien wurde ein afrikanischer Asylwerber erstochen. Von Täter und Motiv fehlt jede Spur. Die Polizei kennt nicht einmal die wahre Identität des Opfers.

Der heftige Regen der vergangenen Tage hat auch das letzte Blut weggewaschen. Unter dem Schatten der Bäume erholt sich ein Pensionistenehepaar auf einer der fünf Bänke, die unweit des Tatorts im Halbkreis aufgestellt sind. Im Wettsteinpark, der im zweiten Bezirk entlang des Donaukanals verläuft, ist längst wieder Normalität eingekehrt. Eine Joggerin läuft schwitzend den Gehweg entlang, mit den Blicken folgt ihr ein junger Mann, der auf einer Bank sitzend Pizza isst. Neben einer kreisförmigen neongrünen Markierung der Polizei erinnert nur kaum zehn Zentimeter großes, aus Zweigen gebasteltes Kreuz daran, dass ein afrikanischer Asylwerber hier im kleinen Park neben der Augartenbrücke erstochen wurde. Unbekannte haben es in der Wiese neben dem Tatort aufgestellt.

Vergangene Woche, in der Nacht auf Dienstag gegen


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