Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 28/08 vom 09.07.2008

Vor 20 Jahren gab es noch Claus Peymann im Burgtheater. Franz Morak war dort Schauspieler und Ensemblevertreter. Es lag nahe, auf dem Höhepunkt der Aufregung um ein Peymann-Interview in der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit (vgl Falter 27/08) mit Franz Morak zu sprechen, der öffentlich gegen Peymann auftrat. Christian Rainer und Armin Thurnher besuchten Morak zu Hause und führten mit ihm folgendes Gespräch:

Falter: "Worin besteht Peymanns Verrat?

Morak: Indem er z. B. die Intelligenz von Schauspielern denunziert.

Kann man dieses Interview so wörtlich nehmen? Er bezeichnet sich als Vergewaltigter, aber auch als (von Waldheim) Vergewaltigten.

Das mag für Außenstehende so sein. Herr Rehberg ist auch Außenstehender, der ist kein "Alter" und kein "Neuer", der hatte einmal in Wien gastiert, hat das Interview in Hamburg gelesen und daraufhin seine Rolle zurückgelegt. Karl Löbl hat mir gesagt, er habe es lustig gefunden, bis ihn seine Frau darauf aufmerksam gemacht habe, was er wohl sagen würde, wenn sich Podgorski über ihn so äußern würde.

Kann man das Interview nicht als Kunstwerk nehmen?

Ich trenne zwischen dem Künstler und dem Direktor. Wenn ein Direktor bei IBM so ein Interview gibt, ist er am nächsten Tag auf der Straße.

Wenn Sie die Reaktionen auf Ihren Vorstoß betrachten, fühlen Sie sich nicht instrumentalisiert?

Überhaupt nicht. Sie müssen mir glauben, mir geht es nur um das Funktionieren des Betriebes. Ich selbst bin weder rot, schwarz, grün noch gelb (obwohl ich länger mit den Grünen sympathisiert habe, aber lassen wir das). Jeden Versuch, einen Glaubenskrieg zu machen, halte ich für falsch. (…)

Aber es ist doch längst ein Kulturkrieg?

Dafür mache ich ausschließlich Herrn Peymann verantwortlich. Er argumentiert nur auf der Gefühlsebene (…) und ist zu keiner sachlichen Auskunft bereit." A.T.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige