Standpunkt

Soko Sumsi

Politik | aus FALTER 28/08 vom 09.07.2008

Als wir Kinder waren, zog Frau Lehrer mit uns in die Filiale der Dorfbank. Dort gab uns der Bankbeamte ein Sumsi-Sparbuch, und er lehrte uns, das Geld zu ihm zu bringen wie die Bienchen den Honig in den Stock. Er versprach, gut aufzupassen auf unser Taschengeld. Im Fernsehen lief zu jener Zeit diese hübsche Bawag-Werbung: Eine Familie springt über die Blumenwiese, ihre Kinder streiten ums Sparschwein. Die Bank, das hämmerte uns dieser Spot ein, ist dein Freund. Heute ist das Gegenteil der Fall. Die Bank ist dein Feind, sie will dein Geld, um damit zu spielen. Wir haben es nur noch nicht internalisiert. Vergangene Woche wurden die Bawag-Bosse wegen Untreue verurteilt. Der Schlüsselsatz der Richterin lautete: Sie haben das Geld ihrer Kunden verzockt. Die externe Kontrolle durch die Prüfer hatte versagt. Schon taucht der OeNB-Prüfbericht über die Meinl-Bank auf und zeigt, wie sich Julius Meinl das Geld seiner Anleger zuschaufelte. Dazu kommt die alltägliche Not der Kleinanleger, die ihre Pensionsfonds und Lebensversicherungen abschmelzen sehen. Nur im Kleingedruckten wurden sie gewarnt. Wir lernen: Banken wollen verdienen - und sie gehen mit fremdem Geld hohe Risiken ein. Wenn sie unser Vermögen verspielen, hüpfen sie davon wie Heuschrecken. Die Bawag-Sonderkommission nannte sich "Soko Flip" und nicht "Soko Sumsi". F. K.


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