Wer ist hier die Volkspartei?


Barbara Tóth

Politik | aus FALTER 28/08 vom 09.07.2008

REGIERUNG Eine populistische rote Volkspartei und eine moralisierende schwarze Staatspartei: im Wahlkampf treten SPÖ und ÖVP in vertauschten Rollen an.

Wilhelm Molterer liebt Wörter, die auf "-eit" enden. Verlässlichkeit. Ehrlichkeit. Handlungsfähigkeit. Klarheit. Sicherheit. Diese zählte er auf, als er am Montag mit belegter, beinahe bedrückter Stimme verkündete, warum er die Volkspartei nach langem Zögern in Neuwahlen führen muss. "Wider des Weges des Populismus", sagte er. Es war ein klassischer Molterer-Auftritt. Klassisch, weil sich der Parteiobmann mit grimmigem Blick einmal mehr zum Leidtragenden und Aufopfernden für das Staatsganze stilisierte - Politik, so signalisiert er, ist vor allem Bürde und Pflicht.

Wer in Werner Faymanns Wortschatz nach Programmatischem sucht, findet keinen stilprägenden Satz. Faymann trägt sein politisches Credo nicht wie eine ehrfurchtseinflößende Monstranz vor sich her. Der Dauerlächler will nicht mahnen, sondern gefallen. Am ehesten spiegelt

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