Fragen Sie Frau Andrea

In der Tiefe

Stadtleben | aus FALTER 28/08 vom 09.07.2008

Liebe Frau Andrea,

mein Weg zur Arbeit führt mich täglich durchs schöne Hernals, das ist jener Bezirk mit den wildgeflickten Straßen und der fehlenden U-Bahn. Nun kann man auf der Geblergasse fast beim Gürtel ein mysteriöses Loch im Asphalt beobachten, hier tut sich die Straße auf und gibt - bevor wieder Teer nachgefüllt wird - den Blick auf den Untergrund frei. Was mich zur Hauptfrage bringt: Was ist unter Wien? Magma, Lava, die Hölle? Oder einfach nur "Gstettn"?

Fragt Tobias B. Gehrlich aus Wien 17

Lieber Tobias,

das Straßenspachteln in Hernals hat allen Bezirksstoßgebeten zum Trotz noch nicht mit dem Bau der legendenumwobenen U5 zu tun. Wollten Sie nächtens Hobbygeologie betreiben, wird Ihnen unter Hernals Bachschotter ins Strandschäufelchen rutschen. Die Kiesel hat der namensgebende Bezirksfluss Als hier seit der Eiszeit abgelagert. Für heimliche Grabungskampagnen in anderen Bezirken gilt die Faustregel: Innerhalb des Gürtels finden Sie Lehm und Löss (von den eiszeitlichen Winden abgelagerter Dünensand), im Wiental Schotter, im zweiten und zwanzigsten Hieb sowie drüben in Transdanubien Au-Lehm und Flusssand und im Wienerwald oben Sandstein und Mergel (kalkhaltigen Ton). In den Stadtteilen zwischen Gürtel und Wienerwald liegen unter jenen Gegenden, die Sie auf geflickten Straßen bewandern, Schluff, Ton und Sand. Das nächste Magma liegt unter Neapel, mit dem Nachtzug 15 Stunden von Wien entfernt. Zu einer der Pforten zur Hölle hingegen wäre es nicht weit: Ein alter Zugang in die Unterwelt liegt im dritten Bezirk. Gleich neben dem Beatrixstüberl.


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