hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 28/08 vom 09.07.2008

Familien-Toiletten

Väter und Söhne müssten sich genau jetzt, weil die Söhne praktisch Ferien haben, daran erinnern, dass sie Väter und Söhne sind, und zur Freude der Mütter und Stiefväter einen Anschein von Freiheit und Abenteuer verbreiten. Zum Beispiel im Park, wo sie, nach getaner Freizeitarbeit, den Fußball oder Speedminton-Schläger noch unter der Achsel eingeklemmt, dann nebeneinander am Pissoir stehen und über den Alltag sprechen wollen. Wobei gern vergessen wird, dass manche, wenn nicht die meisten, Schwierigkeiten dabei haben, im Beisein von anderen überhaupt zu schiffen, geschweige denn sich dabei mit dem eigenen Vater zu unterhalten. Zeit für einen bildungsbürgerlichen Exkurs: Vespasian und sein Sohn Titus stritten sich darüber, dass der Alte die Benutzung der öffentlichen Toiletten kostenpflichtig gemacht hatte. Als er dann seinem Sohn aber die Münzen unter die Nase hielt, musste auch dieser feststellen, dass sie eh nicht stinken. In der südindischen Kleinstadt Musiri geht man derweil den umgekehrten Weg: Um zu verhindern, dass Wiesen, Straßen und Landschaft volluriniert werden, wird jeder Toilettenbesuch mit 10,- Paise honoriert, das sind 0,0001475 €. Bei den Söhnen wie Töchtern der Stadt zeigt die Maßnahme bereits Wirkung, ganze Familien verschaffen sich Zusatzeinkommen, das Stadtbild wird verschönert, jeder gibt, was er kann.


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