Fragen Sie Frau Andrea

Frühling heißen

Stadtleben | aus FALTER 29/08 vom 16.07.2008

Liebe Frau Andrea,

laut herold.at gibt es in Österreich nicht einmal zwei Dutzend Familien mit Namen "Frühling". Sommers, Herbsts und Winters gibt es jedoch zahllose. Wie kommt's? Sommerliche Grüße,

Herr Redi, per Elektropost

Lieber Herr Redi,

die Bezeichnung Frühling, Frühjahr für die erste Saison des Jahres ist relativ jung, sie entstand erst im Neuhochdeutschen, gleichzeitig mit Spätling, Spätjahr für Herbst. Die haben sich aber in der Hochsprache nicht gehalten. Für den Jahresabschnitt, den heute unser Frühling einnimmt, war früher der alte Februarname Hornung in Gebrauch, es war die Zeit, in der die Hirsche ihr Horn, ihr Geweih abwarfen. Vorsommerliche Familiennamen leiten sich von den großen Festen des Frühjahrs ab, vom Paschedag (Passah) und Ostertag und dem als Familienname äußerst beliebten Fasching. Der Name Frühling kommt in Österreich nur in den Speckgürteln der Städte Wien, Salzburg, Graz und Klagenfurt vor, hat aber in Deutschland eine massive Konzentration in Ostfriesland. Er scheint nicht von der Jahreszeit zu kommen, sondern wahlweise von der freien, oder frühen Geburt. Ob dort zur Zeit der Bildung von Familiennamen der freie Bauer oder eher die Frühgeburt Konjunktur hatten, vermag meine bescheidene Privatdemoskopie nicht zu klären. Österreichs Sommers und Winters häufen sich überall, am meisten in Wien. Der Familienname Herbst kommt in den deutschsprachigen Ländern fast so oft vor wie Sommer und Winter. Spitzenherbste finden sich im Weserbergland, im Harz und im Fränkischen. Österreichs Herbste wohnen im Flachgau, im Pinzgau und im Mur-Mürz-Tal.


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