Der Zauberwald

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 29/08 vom 16.07.2008

NATUR Abgelegene Lacken, versteckte Lager, nackte Menschen. Die Lobau ist die große Auwildnis am Rand von Wien. Wen zog und zieht der Dschungel an? Eine Spurensuche.

Dieses Lager scheint schon lange kein Mensch mehr betreten zu haben. Ein kleiner Trampelpfad führt ins Gestrüpp. Man steigt über einen umgestürzten Baum und umrundet ein Brennnesselbeet. Der Pfad mäandert durchs Dickicht und verliert sich alle paar Meter, um ein Stück weiter neu zu beginnen. Er endet bei einer ausgebleichten Zeltplane am Waldboden, beschwert mit Steinen, bedeckt von herabgefallenen Ästen und Blättern. Daneben eine zweite Plane, unter der Speiseölkanister, Einmachgläser, Konservendosen und vom Regenwasser aufgeweichte Toastpackungen hervorlugen. Weit und breit ist niemand zu sehen. Nichts deutet darauf hin, in letzter Zeit jemand hier war. Wer hat sich hier auf einen längeren Aufenthalt eingestellt? Eine Pfadfindergruppe, die eines ihrer Zelte vergessen hat? Das Bundesheer, als es noch hier trainierte?


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