Am alten Bahndamm

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 29/08 vom 16.07.2008

WELT IN WIEN (1) Manche Wiener Straßen schauen aus, als lägen sie ganz woanders. Zum Beispiel in Belgrad.

Wenn der Tag heiß ist, dann flimmert die Luft über den herankommenden Zügen. Bevor sie im Bahnhof einfahren, knarren die Weichen leise. Die Straße neben dem Bahndamm fällt leicht ab, aus den Fugen ihrer Kopfsteinpflaster wächst Gras. Links steht ein Gebäude, das aussieht wie eine Fabrik, die ihre produktivsten Tage lang hinter sich hat. Wenn ein Zug vorbeifährt, vibrieren die maschendrahtverstärkten Fenster ein wenig. Ein zweites Haus, verfallen, Industriestil aus dem 19. Jahrhundert, steht rechts auf der anderen Seite der Bahntrasse. Keinen Meter liegt es von den Schienen entfernt. Sein Putz bröckelt. Aus einem der eingeschlagenen Fenster wächst Efeu, breitet sich über die Fassade aus und reicht bis nach unten an den Rand der Gleise.

Bestimmte Städte haben bestimmte Merkmale. Steile Dachmansarden und schmale französische Balkone kennzeichnen Paris. Belebte gotische Gässchen,


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