Phettbergs Predigtdienst

Alfons wächst!

Stadtleben | aus FALTER 29/08 vom 16.07.2008

"Ein Käfig voller Narren" hatte in Stockerau Premiere. Ich erwartete nicht viel, doch wurde ordentlich enttäuscht! Ich hab den inneren Drang, Duhsub, Ihnen dringend zu erklären, dass Sie sich vorstellen, dass Alfons Haider tüchtig an sich weiterarbeitet. So was käme mir höchstpersönlich nicht in den Sinn, an "mir" zu arbeiten. Ich kann ja gar nicht arbeiten. Sie müssen sich vorstellen, ein 50-Jähriger, der sich ordentlich verbessert! Er lernt und lernt nicht aus. Setzen Sie mich dagegen, und Sie sind überzeugt. Das mein ich zugunsten von Alfons! Sie sind ja verbildet, dass Sie alles ironisch lesen. Was wollt ich nicht alles schreiben über das Ensemble, die feschen Tänzys und Darstellys. Der Mann von Haider, Oliver Huether, Jan Hutter, ein Traumschwiegersohn wie nur was. Irena Flury so liebenswert, Jörg Stelling, der betrogene Rechtschaffene, die herzensgute Agathe Taffertshofer, die so glaubwürdig die Mutter spielt, dass ich weinen musste. Alfin Le Bass spielt die Zofe so, dass ich sofort wieder lachen musste. Muriell Stadelmann ist mir jetzt aus dem Gedächtnis entschwunden, aber ich hab ja fast keines mehr! Rainer Bräuer und die bezaubernden Cagelles. Das sind die, die im Prospekt aufgeführt sind, leider hab ich sonst keine Unterlage, denn ich hatte nicht die Absicht, als ich hinging, darüber zu predigtdiensten. Insgesamt arbeiten 110 Personen an dem Stück mit. Ich erwähne ausdrücklich die 87-jährige Hausfrau Rudy Tüchler, über 70 Jahre leckte sie Theaterblut. Sie ist die treu sorgende, keine Kleinigkeit vergessende Bühnenbetreuerin der Freilichtbühne Stockerau. Und ich bin zu blöd und versterbe ewig einsam. Ich knotze das ganze Jahr öde herum. Gegen die älteste Mitwirkende bin ich uninformiert wie nur was. Vom 20-jährigen Jan zur 87-jährigen Rudy hat sich Haider eine Familie gebildet. Und ich würde dafür sein, ihn als Nachfolger nach der zweiten Periode Heinz Fischers als Bundespräsident anzudenken. Jetzt lesen Sie das wieder ironisch. Das meine ich aber pathetisch. Und weine, denn ich hab keine Sekunde einen gefunden, der zu mir hält. Ich war zu dumm zu allem und weine. Ich flehe um ein Paar Tropfen von Alfonsens Schweiß.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.

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