hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 30/08 vom 23.07.2008

Kevinisten gegen Faschisten

Auf einem österreichischen Elternforum entspinnt sich seit einigen Wochen eine heftige (Faschismusvorwurf und so) Diskussion über die Frage, ob Kevins, Patricks, Renees und Jaquelines in ihrem späteren Leben Nachteile erleiden müssen. Das ist eindeutig der Fall und wurde von deutschen (und amerikanischen sowieso) Soziologen mittels Untersuchungen an Bewerbungsschreiben belegt. Lukas’ hingegen sind auf der sicheren Seite, allein weil sie in schierer Überzahl sind, wie auch Leonies, im Gegensatz etwa zu Ottos oder Uschis. Uschi ist zum Beispiel so außer Mode geraten, dass eine Suchmaschine auf die Eingabe Uschi, Graz erst mal vermutete: Meinten Sie Uschi Glas? Die gehört einer der letzten uschireichen Generationen an und hat außerdem vor genau vierzig Jahren den super Sommer-Slacker-Film „Zur Sache, Schätzchen“ gedreht. Der meistgesprochene Satz lautet: Das wird böse enden, Mitarbeiter von städtischen Freibädern werden als Faschisten beschimpft, am Schluss fällt ein Schuss. Um Ottos zu finden, muss man noch weiter zurückgehen: Zum Beispiel zum 25.7. vor 160 Jahren, als der Dichter Otto Kernstock geboren wurde, dem eine ganz kleine Gasse im Gries gewidmet ist. In Marburg nämlich: Deutsch war der Mann, kerndeutsch sein Heimatland/ Eh‘ Slawenlist es Stück für Stück entwand. Ein typischer Vers für jemanden, der Otto heißt (Kevin Kernstock hätte anders gedichtet).


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