Geteiltes Leben


Raimund Löw
Vorwort | aus FALTER 30/08 vom 23.07.2008

AUSLAND Ausgerechnet im europäischen Zentrum der Vielsprachigkeit blüht der Nationalismus.

Scheinbar war es Routine: Der belgische Ministerpräsident, kaum vier Monate im Amt, hatte zu nächtlicher Stunde seinen Rücktritt angeboten. König Albert II., ein trocken wirkender älterer Herr, beriet sich mit Parteiführern und Sozialpartnern, lehnte die Demission aber schließlich ab. Gleichzeitig beginnen Verhandlungen zwischen Volksgruppen und Regionen, bei denen eines klar ist: Der belgische Bundesstaat in der heutigen Form mit seiner bis ins letzte Detail austarierten Kompetenzverteilung zwischen Flamen und Wallonen ist am Ende.

Noch vor zwei Jahren schockierte der französischsprachige Fernsehsender RTBF die Öffentlichkeit mit einer getürkten Sondersendung über die angebliche Sezession Flanderns. Die Vorstellung, ein neuer, sprachlich „reiner“ Staat könnte in Westeuropa entstehen, erschien als Produkt rechtsextremer Fieberfantasien. Inzwischen sind im Niederländisch sprechenden

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