Standpunkt

Sieg des Rechts

Politik | aus FALTER 30/08 vom 23.07.2008

Radovan Karadzic, der Kriegsverbrecher mit der Silbermähne, wurde nach zehnjähriger Flucht gefasst. In Sarajevo jubeln die bosnischen Muslime. Karadzic soll für die Ermordung von rund 100.000 Muslimen, für Massenvergewaltigungen und „ethnische Säuberungen“ verantwortlich sein. Bald wird der „Osama des Balkans“ (so der damalige US-Vermittler Richard Holbrooke) ans UN-Strafgericht in Den Haag ausgeliefert werden. Das ist ein Etappensieg der EU bei der Zähmung der serbischen Politelite. Die Verhaftung ist aber auch ein später Erfolg der Uno, die beim Massaker von Srebrenica tragisch versagte. Mitte der 90er-Jahre hatte der UN-Sicherheitsrat das (einst in Nürnberg für NS-Verbrecher geprägte) Weltstrafrecht wiederbelebt. Weil die nationale Justiz nach Kriegszeiten gerne versagt, wurden internationale Ankläger und Richter im Namen der Weltgemeinschaft aktiv – um fundamentale Verbrechen zu sühnen. An keinem Ort der Welt sollten sich Despoten noch sicher fühlen. Die Weltstrafjustiz wird zwar derzeit von den USA, die das Prinzip einst massiv unterstützten, torpediert (Stichworte: Irak, Guantánamo). Doch die Weltöffentlichkeit erkennt, dass es wirkt. Höchste Zeit, dass Serbien nun Karadzics Helfer, General Radko Mladic, nach Den Haag überstellt. Dann erst kann Europa ernsthaft für einen EU-Beitritt Serbiens stimmen. F. K.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige