Waruhum?

Medien | Doris Knecht | aus FALTER 30/08 vom 23.07.2008

Dabei ist es besser geworden. Definitiv viel besser. Früher, in der präfortgepflanzten Epoche, ging der Fernseher punkt Augenaufschlag an, und ich war nie besser über die deutsche Bundesliga informiert als damals. Und über die Weltpolitik übrigens auch, dank unzähliger ARD/ZDF-„Morgenmagazin“-Beitragswiederholungen zwischen fünf Uhr früh und neun, von denen ich zwischen Aufwachen und Hausverlassen mindestens zwei bis vier abkriegte. Weil: Der Fernseher lief, wenn man wach war und ging dank Sleeptaste aus, wenn man schon schlief, und es gab wenig Grund, am Sinn dieser Tatsache zu zweifeln.

Nun hat man Kinder und darüber etwas bemerkt und schließlich begriffen, dass Fernsehen schlecht ist. Auf alle Fälle für Kinder, und zwar aus sich selbst erklärenden Gründen. Also tut man den Fernseher weg und lässt sie nicht fernsehen. Waruhum? Weil es blöd macht. Warum dürft ihr dann? Weil wir schon unrevidierbar fertigverblödet sind, das seht ihr daran, dass wir in unserem Schlafzimmer den Fernseher in der Sekunde anmachen, in der ihr abends im Bett liegt. Das ist ure unfair. Ja.

Wir sind nämlich schwach. Und faul und müde. Und süchtig nach dem Gedummsel auf dem Bildschirm: Die paar anständigen Nachrichten rechtfertigen den fast täglichen TV-Konsum nicht, super Serienware schon gar nicht, die macht mittlerweile ein knappes Tausendstel des Programmanteils aus. Und obwohl es viel besser geworden ist, bleibt es ure verlogen, dass man den Kindern Dogmen aufzwingt, an die sich zu halten, man selbst nicht in der Lage ist. Freilich: Es ist, davon bin ich vollkommen überzeugt, immer noch besser, als nachzugeben und die Kinder ebenfalls dem Fernsehen auszuliefern. Und irgendwann, bald, tun wir den Fernseher eh ganz weg. Doch, doch, ganz gewiss.


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