Ein Kind aus Familie 9

Stadtleben | Stefan Apfl | aus FALTER 30/08 vom 23.07.2008

LEBEN Bald rollen die ersten Bagger in die Stadt des Kindes. Eveline Hofbauer verbrachte in dem ehemaligen Vorzeigeheim ihre zweite Kindheit. Eine letzte Heimsuchung.

A n einem Freitag im Dezember kommt Eveline Hofbauer ins „Paradies“. Der alkoholkranke, gewalttätige Vater, die unterjochte, überforderte Mutter, die verwahrlosten, verstörten Geschwister – Eveline war dieser Vergangenheit mit einem Koffer und einem rosa Teddybären entflohen. Am 6. Dezember 1986, drei Tage vor ihrem 13. Geburtstag, zog das Mädchen mit den schiefen Zähnen und der dicken Brille in die Stadt des Kindes ein.

Heute, 22 Jahre danach, kehrt sie als elegant gekleidete Dame noch einmal hierher zurück. Glasscherben sind über Linoleumböden verstreut, an den Türen vergilbte Zeichnungen, Schlingpflanzen mäandern über die Wände. Von einem nahegelegenen Spielplatz dringen leise Kinderstimmen herein und hallen durch die muffigen Gänge. Es scheint, als hätten die Menschen diesen Ort fluchtartig verlassen.


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