Wien im Rado-Wahn

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 31/08 vom 30.07.2008

SEINESGLEICHEN GESCHIEHT Wie der Wiener Boulevard auf einen Doppelgänger hereinfiel, vor allem aber auf sich selber.

Doppelgänger und Doppelleben haben das Publikum immer schon fasziniert. Menschen, die ihre Identität über Bord werfen, sich für andere ausgeben, in fremder Identität teuflische Spiele treiben, üble Verbrechen begehen oder einfach vor ihrer gerechten Strafe fliehen, in denen erkennen wir uns wieder. Die meisten von uns trauen sich ihr Leben lang nicht, ihre Identität zu wechseln. Keiner geht schnell Zigaretten holen und kommt nicht mehr zurück (abgesehen davon, dass man uns das Rauchen abgewöhnt hat), obwohl manche von uns davon träumen.

Umso faszinierender wirken auf uns Leute, die so was schaffen. Große Verbrecher, beispielsweise. Radovan Karadzic´, der serbische mutmaßliche Kriegsverbrecher und Massenmörder, ist so einer. Taucht doch glatt in Wien auf und lebt hier unerkannt. Dazu noch in alternativer Verkleidung, als Wunderheiler, mit Rauschebart und langem


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