Standpunkt

Und ewig grüßt ...

Politik | aus FALTER 31/08 vom 30.07.2008

Ganz schön retro, dieser Wahlkampf. Die Paradeliberale Heide Schmidt tritt wieder einmal gegen den grünen Professor Alexander Van der Bellen an. Wolfgang Schüssel spielt diesmal im Duett statt im Trio mit Wilhelm Molterer (Elisabeth Gehrer ist in Pension). Jörg Haider wagt zum x-ten Mal den Sprung nach Wien. Fehlt nur noch, dass die SPÖ Viktor Klima als Quereinsteiger aus Buenos Aires einfliegt. Fast alle Protagonisten der 90er-Jahre sind wieder da, als hätte eine höhere Macht Österreich in eine politische Zeitmaschine gesteckt. Man kann das witzig finden, so nach dem Motto: Und täglich grüßt das politische Murmeltier, deswegen wählen wir wieder, wen wir schon mit 18 nett fanden, als wir das erste Mal ein Kreuzerl machen durften. Man kann es aber auch tragisch sehen. Und das sollte man. Kann es tatsächlich sein, dass die österreichischen Parteien gar keine neuen Gesichter zu bieten haben? Wo sind - vom blauen Verbalrabauken Heinz-Christian Strache einmal abgesehen - die Vertreter der Generation der 40er, die beispielsweise in vielen unserer östlichen Nachbarländer Öffentlichkeit gestalten? In den USA setzte sich Barack Obama gegen Hillary Clinton auch deswegen durch, weil die Wähler sagten: Das System Clinton hat seine Chance bereits gehabt. Und in Österreich? Hier gilt ein Comeback schon als Zukunftshoffnung. B. T.


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