Stadtrand

Stunk

Stadtleben | aus FALTER 31/08 vom 30.07.2008

Dass es manchmal nicht gut riecht, damit muss man als Stadtmensch rechnen. Also dass der Kanal aus Gullys müffelt, die Brauerei mal wieder irgendwas vergären und die Allgemeinheit daran teilhaben lässt oder Autos im Stau die Luft verpesten. Das gehört wohl dazu. Genau wie Menschen, die aus vielerlei Gründen nicht anders können, als aufgrund ihrer Ausdünstungen regelmäßig für die Evakuierung öffentlicher Verkehrsmittel zu sorgen. Das geht vorbei. Da kann man umsteigen. Oder die Fenster aufmachen. Im Theater ist Umsteigen oder Fensteröffnen eher schwierig. Und wenn man dann ein, zwei Stündchen direkt neben, vor oder hinter so einem veritablen Stinker hockt, dann wird der Theaterabend echt zur Qual. Wir sind hysterisch? Wir sind hysterisch. Wir hatten nämlich Tanzwochenkarten und Halle-E-Plätze mit guter Sicht - und schlechtem Aroma. Und sahen Bewegungskunst vom Feinsten hinter Duftwolken. Wie reagieren Benimmprofis in so einer Situation? Räuspern, thematisieren, laut schimpfen oder dezent schweigen? Am Ende hat der Stinker nicht einmal applaudiert. Vielleicht war das ganz gut. Applaus hätte ja ohnehin nur Stunk aufgewirbelt.

C. W.


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