Fragen Sie Frau Andrea

Gewittermilch

Stadtleben | aus FALTER 31/08 vom 30.07.2008

Liebe Frau Andrea,

gerade erschien ein Kochbuch des niederländischen Aktivisten Wam Kat ("24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung"). Da steht, dass wegen Gewitters sauer gewordene Nudeln eine prima Bratlinggrundlage seien. Hieß es nicht früher, bei Gewitter werde Milch sauer? Wieso? Wegen Plasma und Volt? Und ist das gesund?

Fragt die Trixi aus dem tiefen Simmering

Schau Trixi,

der Mythos der gewittersauren Milch stammt aus der Generation unserer Groß- und Urgroßmütter. Offenstehende Milch, so geht die Küchenerzählung, werde durch das Kommen eines Gewitters schlagartig sauer. Es empfehle sich daher, Milchkannen rasch in den kühlen Keller zu bringen. Seit der Erfindung von Kühlschränken erübrigt sich der Gang in die Tiefe. Wie aber wird Milch sauer und warum? Milch wird sauer, weil kleine Wesen, Lactobazillen genannt, den in handelsüblicher Milch enthaltenen Milchzucker (Laktose) in Milchsäure umwandeln. Dabei wird Essig freigesetzt, der das Eiweiß gerinnen lässt. Die Milch wird nicht nur sauer, sondern auch dick. Lactobazillen mögen es warm. Bei 31 Grad und feuchter Luft vermehren sie sich enorm schnell. Und warm ist es - erraten! - vor einem Gewitter. Trotz dieses einleuchtenden Zusammenhangs suchen Esoteriker, Laienwissenschaftler und Biophysiker nach anderen Erklärungsmodellen. Sie wollen Sferics als Säuertäter ausgemacht haben, kurze, langwellige, elektromagnetische Impulse, die bei Gewittern auftreten und noch in 500 Kilometern Entfernung gemessen werden können. Wie und ob Sferics mit Lactobazillen kommunizieren, ist noch ungeklärt. Saure Milch ist nicht ungesund. Verdorbene schon.


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