Phettbergs Predigtdienst

Der Tonfall

Stadtleben | aus FALTER 31/08 vom 30.07.2008

Je hinfälliger ich bin, desto rüder die Töne, die mich erreichen. Am Sonntag hatte ich so viel Nasenbluten, dass ich die Telefonnummer "144" anrufen musste, noch ist das Telefon ganz verschmiert. Der Typ, der abhob, war sehr lieb zu mir, und erklärte mir, "Wir sind schon unterwegs!" Und tatsächlich läutete es wenige Minuten später, und ich dachte, es käme jetzt Trost. Doch es war ein Tonfall, der mir so wehtat, dass ich es beschreiben MUSS. Es war 4.50 Uhr am Morgen, ich schrieb schon brav am Predigtdienst - müsste auch noch alles voller Blut sein (Witzversuch). Ich war komplett unbekleidet, öffnete also nackt und merkte gar nicht, wie kalt es war. Und wurde ins Kaiser-Franz-Josefs-Spital gebracht. Kein tröstendes Wort erreichte mein Ohr. Wenn Fleischhauer kämen, denk ich mir das genauso, wenn Tiere zur Schlachtung abgeholt werden. Denn wozu die denn vorher auch noch aufpeppeln, wenn sie sich dann zu Tode erschrecken müssen. Ist doch besser, vorher gleich kalt. Dann gewöhnen sie sich daran. Im Rettungswagen musste ich mich hinlegen und wurde streng instruiert, ich dürfe nichts berühren. Ich denk mir, die müssten sonst alles abwischen. Und so kamen wir im Spital an. Da war ein Nachtteam dabei, sich für den Tag fertigzumachen. Und ich mit meinem Nasenbluten kam daher. Ich kriegte einen Sack, gefüllt mit Eisbröckerl um den Hals, hatte aber meine blutverschmierten Haare an mir. Und die Schwester sagte zu mir: "Sie könnten auch wieder einmal zum Haarschneider gehen." Und da entkam mir ein Widerwort: "Ich bin der Hermes Phettberg, lange Haare sind meine Trademark." Ich wurde allein am Gang sitzengelassen, bis die diensthabende Ärztin eintraf. Zu bluten habe ich schon daheim aufgehört, ich hatte ja keine Ahnung. Die Ärztin wurde von den Schwestern instruiert. "Er ist der Hermes Phettberg", wurde ich als stolzseiend hingestellt, nicht aber, warum ich das sagte. Sie hatte mich vorher zum Haareschneiden geschickt. Mein Leben kennt kein Lied mehr. Ich bin scharf dabei, bitter zu werden. Rettet mich, Duhsub, davor, ich flehe Sie an.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt.


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