Traummel

Christopher Wurmdobler | Stadtleben | aus FALTER 31/08 vom 30.07.2008

KLEIDUNG Noch eine neue Damenboutique, diesmal mit verspielter Italomode.

Frau Schrammel hatte einen Traum. Nämlich schon länger, als sie noch im Kärntner-Straße-Kaufhaus Verkäuferin war: eine eigene kleine Boutique. Also hörte sich Frau Schrammel um, wie so was geht. Sie fragte bei der Wirtschaftskammer, löste einen Gewerbeschein und fand auch eine Bank für den Kredit, ohne dass sie dafür ihr kleines Auto aufgeben musste (dafür aber ihre Lebensversicherung, mehr Sicherheiten konnte sie nicht anbieten). Und dann suchte und fand Frau Schrammel auch noch ein geeignetes Lokal für ihren Traum, renovierte, restaurierte und putzte das Geschäft an der kleinen Margaretenstraße, einer "guten Gegend", hübsch heraus. Die meisten Einrichtungsgegenstände hatte sie schon besorgt, lange bevor überhaupt der Mietvertrag unterzeichnet war.

Nun sitzt Frau Schrammel 60 Stunden die Woche in ihrem wahr gewordenen Traum und wartet auf Kundschaft. Sie kocht Kaffee, arrangiert die Kleider neu, die

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