Mehr Streit, bitte!

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 32/08 vom 06.08.2008

Seinesgleichen geschieht Ein österreichisches Dilemma: Beide Regierungsparteien treten mit Stammtischslogans an.

Werner Faymann wird diesen Freitag offiziell als Vorsitzender der SPÖ installiert, aber dieser einst doch recht bedeutende Vorgang ist zur Abnick-Choreografie verkommen. Es gab Zeiten, da war es ungewiss, wer sozialistischer Parteiobmann wird. Bruno Kreisky setzte sich 1967 sehr knapp gegen Hans Czettel durch. Die Auseinandersetzung tobte auf offener Bühne einen ganzen Tag und eine halbe Nacht lang. Selbst die folgende Ära seiner 13-jährigen Alleinregierung mit absoluten Mehrheiten kann nicht als Beweis dafür dienen, dass die demokratische Mehrheit immer Recht hat. Aber im Fall Kreisky setzte sie sich durch, nach heftigem Streit. Kreisky allerdings bestimmte später seinen Nachfolger selbst, seitdem gibt es in der SPÖ keine öffentliche Auseinandersetzung mehr über die Führung in der Partei. Stattdessen lässt ihr designierter Vorsitzender den Slogan "Genug gestritten"


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