"China hat mich enttäuscht"

Politik | Julia Kospach | aus FALTER 32/08 vom 06.08.2008

OLYMPIA Er bereiste Chinas Gefängnisse und dokumentierte die schockierende Menschenrechtssituation. Trotzdem spricht sich Manfred Nowak, UN-Sonderberichterstatter über die Folter, gegen einen Boykott der Olympischen Spiele aus.

Neun zu eins stand es zu Beginn. Als Manfred Nowak, Jurist, Menschenrechtsexperte und UN-Folterbeauftragter, in offizieller Mission chinesische Haftanstalten inspizierte, folgten ihm bis zu neun Geheimdienstmitarbeiter auf Schritt und Tritt. Dem Falter erzählt Nowak, wie er von einem Afrikaner lernte, die Zustände in chinesischen Gefängnissen zu verstehen, weshalb China ihn enttäuscht hat und wieso er Politikern abrät, die Olympischen Spiele zu besuchen.

Falter: China wird kurz vor der Eröffnung der Olympischen Spiele wegen seiner Internetzensur massiv kritisiert. Überrascht Sie, dass die Zensur im Netz nun sogar ausländische Journalisten betrifft?

Manfred Nowak: Diese Art der Zensur ist nichts Neues. Was mich überrascht, ist, dass sie von China in dieser


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