Kommentar

Die neuen Jahrhundertromane warten!

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 32/08 vom 06.08.2008

Jetzt ist es auch schon bald wieder ein Jahr her, dass die Neue Zürcher Zeitung den "Jahrhundertherbst der österreichischen Literatur" ausgerufen hat. Der Herbst, daran wollen wir meteorologische Traditionalisten erinnern, beginnt im Literaturbetrieb spätestens im Hochsommer und reicht bis tief in den Winter. Das hat mit den Produktionsrhythmen der Verlage zu tun und mag manchen als Ausdruck gottloser Hybris erscheinen, sah die Schöpfung für unsere Breiten doch bislang jene vier Jahreszeiten vor, wie wir sie von Antonio Vivaldi kennen. Dazu ist zu sagen, dass einerseits die deutschsprachige Verlagslandschaft verlässlicher und voraussehbarer arbeitet als Petrus, der alte Himmelsingenieur; dass aber andererseits auch hier dramatische Veränderungen zu konstatieren sind, die von den Kulturmeteorologen auf eine Überhitzung des Marktes zurückgeführt werden: Der Herbst kommt immer früher, und irgendwann einmal wird er sich selbst in den Schwanz beißen und zur spontanen Selbstentzündung


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