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Kultur | aus FALTER 32/08 vom 06.08.2008

ROMAN

Hugo Claus: Der Kummer von Belgien

Als Hugo Claus im März diesen Jahres, unheilbar an Alzheimer erkrankt, Sterbehilfe in Anspruch nahm, verschied auch Flanderns größte Hoffnung auf den Literaturnobelpreis. Das glamouröse Multitalent war u.a. auch Mitglied der berühmten Malergruppe Cobra und in zweiter Ehe mit Emanuelle-Darstellerin Sylvia Kristel verheiratet. Dass sein 1983 im flämischen Original ("Het verdriet van Belgie") erschienenes Opus magnum eine überaus süffige Lektüre ist, kommt also nicht ganz überraschend. Elemente des Künstler-, Schelmen- und Entwicklungsromans aufgreifend, hält sich das gewichtige Werk gleichwohl an keine Genrevorgaben: Es wechselt von der ersten in die dritte Person und kippt vom realistischen Erzählen in die Tagträume seines adoleszenten (Anti-)Helden.

Dieser Louis Seynaeve wächst im katholischen Internat auf und verbringt den Krieg in seiner weitverzweigten Familie: Er sieht zu, wie seine Mutter den duckmäuserischen Vater betrügt, lässt


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