Train de Luxe

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 32/08 vom 06.08.2008

WELT IN WIEN (4) Wie sehr sich die Leopoldstadt verändert hat, zeigt sich an Wiens kleinem Bukarest: der Nordbahnstraße.

Der Balkon ist konstitutives Element jedes osteuropäischen Plattenbaus. Die "Fickzellen mit Fernheizung", wie man die standardisierten Wohnungen in der DDR scherzhaft nannte, waren ja bekanntlich ziemlich eng und ließen dem individuellen Gestaltungsgeist nicht viel Platz. Der Balkon wurde da zum Ventil für die bescheidene Repräsentation der eigenen Existenz an der Schwelle zwischen öffentlichem und privatem Raum. Kein Wunder also, dass so manche balkongesäumte Plattenbauten, zum Beispiel in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, ausschauen wie Pinnwände, auf die ein Kind mit Superkleber bunte Scherben, Perlen und ähnlichen Krimskrams gepickt hat.

Die 100 Meter Wiener Bukarest liegen am Beginn der Nordbahnstraße in der Leopoldstadt. Früher stand hier der alte Nordbahnhof. Im Zweiten Weltkrieg wurde der neugotische Prachtbau zerstört. Sein Nachfolger rückte direkt


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