Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 33/08 vom 13.08.2008

Das Thema der Ausgabe lautete „Punk und Gulasch, Shops und Dissidenten: Budapest – die Wiener kaufen eine Stadt“, aber auch abseits dieses erfrischend neuen Themas (der Eiserne Vorhang war noch nicht einmal gefallen) bot der Falter einige ausgepichte Pikanterien. Zum Beispiel auf der Debattenseite „Salon“ einen Gastbeitrag von Franz Muhri, dem Vorsitzenden der KPÖ. Wir hatten Muhri eingeladen, den eben erfolgten Perestroika-Vorstoß seines Genossen Gorbatschow zu kommentieren.

Muhri schrieb: „Die KPÖ hat bereits auf ihrem 26. Parteitag die Solidarität mit den drei eingangs erwähnten Grundzielen der Perestroika bekräftigt (Wirtschaftsentwicklung, Gesellschaftsreform, Friedenspolitik, Anm.). Diese Ziele entsprechen den humanistischen Idealen des Kommunismus. Ihre Verwirklichung bedeutet nicht nur einen großen Fortschritt für die Völker der Sowjetunion. Das Gelingen der Perestroika ist auch ein entscheidender Beitrag zur Erhaltung des Friedens. Ihre Verwirklichung bedeutet einen großen Fortschritt für die Völker der Sowjetunion.“

Es kam dann ein wenig anders für die Sowjetunion. Auf der gleichen Seite las man eine saftige Attacke des Falter-Musikkritikers gegen den soeben reformierten Sender Ö1. „Und dachten manche Optimisten, der neuen Musik könne nichts Schlimmeres mehr geschehen als täglich ins nächtliche Ghetto um 23 Uhr gesteckt zu werden, so wurden sie eines Schlechteren belehrt. Die Eliminierung von, Musik ist mehr als Klang‘ ist nur die nächste Lektion in diesem Lehrgang, dessen geheimer und doch so offensichtlicher Lehrplan die Ausrichtung österreichischer Ohren auf Bewährtes und Bekanntes ist. Wie gut doch das frühsommerliche Kulturpuzzle ineinandergreift: Eben hat der zukünftige Staatsoperndirektor als, Programm‘ – ein Frevel ist’s, dies Wort hier zu gebrauchen – die verstärkte Rückwendung zu Mozart, Strauss und Wagner proklamiert.“ Der Kritiker hieß Christian Scheib und ist heute Musikredakteur. Natürlich bei Ö1. A.T.


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