Standpunkt

Kulturdelikterl

Politik | aus FALTER 33/08 vom 13.08.2008

Die ÖVP will Straftaten, die nach österreichischen Gesetzen illegal sind, im Verständnis von Menschen aus dem Ausland aber zu ihren Traditionen gehören, neu benennen. Sie sollen „Kulturdelikte“ heißen. So zumindest denkt sich das Innenministerin Maria Fekter, der schwarze Flankenschutz nach rechts in diesem Wahlkampf. Das ist ein interessantes Beispiel von politisch angewandtem Kulturalismus. Ehrenmorde, Genitalverstümmelung und Zwangsverheiratung wären folglich „extreme Kulturdelikte“ – und nicht bloß schwere Verstöße gegen die Menschenrechte. Dringendst notwendig wäre es dann aber auch, typische Straftaten der hier ansässigen Bevölkerung in den entsprechenden kulturellen Kontext zu setzen. Zum Beispiel der kleine Versicherungsbetrug. Nichts anderes als ein Umverteilungs-Kulturdelikt! Wir zahlen denen ohnehin genug, und das ein Leben lang. Trunkenheit am Steuer? Vernachlässigbares Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-Kulturdelikt. Die Wirtshausschlägerei? Klassisches Vorstadt-Kulturdelikt. Schließlich wertete schon der Staatsanwalt Peter Westenthalers Aufforderung „Haut’s die Arschlöcher auße“, ausgesprochen in einer berüchtigen Wiener Tschumsen in der Wahlnacht des 1. Oktober 2006, nicht als Anstiftung zur Körperverletzung, sondern als „alkohol- und milieubedingte Unmutsäußerung“. Na bitte! B. T.


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