So viel Schönheit war noch nie

Kultur | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 33/08 vom 13.08.2008

Marlene Streeruwitz eignet sich die männliche Perspektive an.

Wer geglaubt hat, dass sich Marlene Streeruwitz mit ihren Tiraden über rücksichtslose Männer aus der Sicht opferwilliger Frauen in eine Sackgasse geschrieben habe, wird mit ihrem neuen Roman eines Besseren belehrt. In einer Art Befreiungsschlag hat sie in „Kreuzungen“ einfach die Perspektive gewechselt. Und siehe da: Auch hier gelingt es ihr, in erlebter Rede Empathie zu erzeugen. Ihr Protagonist, Max, ist ein erfolgsverwöhnter, aber gebildeter, bisweilen sogar feinsinniger Aufsteiger und Narziss, der an der Börse ein Vermögen gemacht hat. Geld bedeutet ihm Macht und Kontrolle, die er über sein Privatleben naturgemäß nicht in gleicher Weise besitzt. Als die ihn bislang allein befriedigende „Spiegeltrias“ aus dem Gesicht seiner Frau Lilli, die ihn anschreit und auf ihn einschlägt, dem Rücken ihn befriedigender kleiner Asiatinnen und dem Anblick seiner selbstvergessen spielenden Töchter ihre Wirkung einbüßt,


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