Der Schuss aus dem Spielzeuggewehr

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 33/08 vom 13.08.2008

Buenos Aires –Wien – Zagreb. Norbert Gstrein erzählt wieder vom Krieg.

Auch nach seinem Wechsel zum zielstrebig vollständiger Verösterreicherung zustrebenden Hanser Verlag ist Norbert Gstrein seinem großen Thema des letzten Jahrzehnts treu geblieben. Wie schon „Das Handwerk des Tötens“ (2003) befasst sich sein jüngster Roman, „Die Winter im Süden“, mit dem Bürgerkrieg in Jugoslawien; wie schon in „Die englischen Jahre“ (1999) ist das gegenwärtige Geschehen mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs verknüpft, in dessen Schatten fingierte und angemaßte Identitäten wuchern: Die mittlerweile 50-jährige und in Wien lebende Marija entdeckt, dass ihr Vater keineswegs tot ist, sondern bloß vor den Partisanen nach Buenos Aires geflohen.

Norbert Gstrein spielt die Kugel am liebsten über die Bande, mag die Pseudosouveränität moralischer Überlegenheit und letzter Gewissheit weder dem Leser noch sich selbst gönnen. Sogar der sichere Effekt der Suspense-Story ist ihm suspekt.

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