Hummeln im Kopf, Watschen in der Luft

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 33/08 vom 13.08.2008

André Heller fantasiert darüber, wie er André Heller werden konnte.

Die schlechte Nachricht: Das Buch heißt tatsächlich „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein.“ Die gute Nachricht: Es ist viel besser als sein Titel. André Heller, Narziss mit Goldmund in eigener Sache, verzichtet darauf, Metaphernfeuerwerke abzubrennen, liefert stattdessen eine altmodische Erzählung, die sichtlich im Autobiografischen wurzelt, wenngleich der Autor beteuert, dass die Fantasie die Oberhand behalten habe. Ja, eh.

Das Porträt des Künstlers als junger Bub konzentriert sich auf eine gute Woche im Leben des Zuckerlfabrikantensohns Paul Silberstein unmittelbar nach dem Tod des verhassten Vaters, der den Suizidversuch der geliebten, aber mäßig lebenstüchtigen Mutter ungerührt mit „verreck“ quittiert.

Der unleidliche und eiserne, aber in seinem bizarre Blüten treibenden Abscheu gegenüber den Nazis auch respekteinflößende Vater ist der heimliche Held des Buches und sorgt für dessen Glanzlichter.


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