Stadtrand

Vom Fach

Stadtleben | aus FALTER 33/08 vom 13.08.2008

Dieser Text handelt vom Fachhandel. Wer zum Beispiel ganz dringend eine mittelgroße, gläserne Schüssel braucht, hat in Wien zwei Möglichkeiten, diese käuflich zu erwerben (Transaktionen, die über das Internet abgewickelt werden, ausgenommen; Ikea ebenfalls): Entweder man sucht einen Laden auf, in dem sie Markenhausrat zu astronomisch hohen Preisen verkaufen wie Designerkleidung. Oder man geht ins Fachgeschäft. Im Laden mit den Astropreisen drehen sie einem sofort die teuerste Schüssel an. Wer nicht so aussieht, wie jemand, der 30 Euro und mehr für ein bisschen Industrieglas ausgeben mag, den lassen sie aber sofort wieder in Ruhe und ignorieren ihn in der Folge. Dann im Fachhandel: Statt blasiert ist man hier echt nett, steigt auf hohe Leitern, balanciert gefährlich die gewünschte Schüssel zwischen Töpfen und Pfannen. Die Verkäuferin prüft das Glas auf etwaige Schäden und wickelt es anschließend sorgsam in braunes Packpapier. Zum Abschluss der Geschäftsabwicklung hält die Frau im blitzblauen Arbeitskittel der Kundschaft noch die Türe auf, auf Wiedersehen! Kosten: drei Euro. Souverän gehandelt, einfach vom Fach. C. W.


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