Fragen sie Frau Andrea

In der Pension

Stadtleben | aus FALTER 33/08 vom 13.08.2008

Liebe Frau Andrea,

gerade habe ich mich in eine Pension eingemietet. Für zwei Wochen, im schönen Kärnten. Und dann denke ich, wie wird das sein, wenn ich in Pension gehe? Werde ich mir die Pension hier mit meiner Pension leisten können? Und warum heißt meine Pension wie meine Pension?

Für eine Antwort dankt herzlich

Martina Zängle, Bregenz, per Elektropost

Liebe Martina,

das Österreichische ist eine Sprache mit grobem Filter. Es unterscheidet nicht zwischen Frühstücksunterkunft und Rente. Beides, das schlichte Ferienzimmer wie der Ruhestandsgenuss wird im Lande der Schnitzelklopfer mit dem französischen Wort pension, so viel wie: Gehalt, Ruhegehalt, bezeichnet. Die französische Pension kommt vom lateinischen pensio, Auszahlung, das seinerseits vom Verb pendere kommt, dem Abwägen, wörtlich: dem Herabhängenlassen. Hier trifft die ursprüngliche Bezeichnung auf ihren österreichischen Inhalt. Wo könnte man den Lebensabend besser hängenlassen, wo die Ferienzeit besser pendeln, als in der Pension. Den österreichischen Pensionisten entsprechen die deutschen Rentner, die wiederum hierzulande die Bezieher einer dauernden Leistung aus der Unfallversicherung bezeichnen. Umgekehrt kennt Deutschland als Pensionisten ausschließlich Beamte, Richter, Soldaten und Pfarrer in Ruhe. In einer österreichischen Pension können also Pensionisten, Pensionäre sowie schlichte Rentner gleichzeitig zu Gast sein, während ihnen das Pensionat (die Erziehungsanstalt für blaustrümpfige Mädchen) aus begreiflichen Gründen verschlossen bleibt.


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