Spielplan

Stadtleben | Hermann Götz | aus FALTER 33/08 vom 13.08.2008

Erstaunlich! Das Theater im Keller bringt heuer bei seinem traditionellen Sommerauftritt im Hof des Ferdinandeums einen Wolfgang Bauer (bis 23.8.). Oder besser gesagt gleich drei. Unter dem Titel „Eisenbahngeschichten“ werden frühe Einakter des 2005 verstorbenen Pioniers der popliterarischen Geste gezeigt, die allesamt in Zugabteilen spielen (in den altmodischen, mit sechs Plätzen) und laut Bauer auch dort entstanden sind: „Zwei Fliegen auf einem Gleis“, „Katharina Doppelkopf“ und „Die Menschenfresser“. Es sind sprichwörtlich im Vorbeifahren notierte Szenen, die sich jeweils mit einer Idee, einer zentralen Pointe begnügen. Typisch Einakter eben. Aber ob das auch genügend Lacher bringt? Nein. Bauer ist nicht zu schwer fürs Sommertheater, aber seine schnell hingeworfenen Geniestreiche offenbaren – als Sommerkomödie präsentiert – eklatante Schwächen. Wo ansonsten der virtuose Wortwitz des Boulevard-Theaters regiert, bietet Bauer flapsige Sprüche und absurd-anarchischen Antiwitz. Das funktioniert nicht, sorry, obwohl das TiK ohne Vorbehalt als Bauer-Bühne bezeichnet werden darf. Die gemeinsame Geschichte (die im aktuellen Abendprogramm auch nachzulesen ist) geht zurück bis 1963, als das TiK „Katharina Doppelkopf“ zur Uraufführung brachte. Das rechtfertigt natürlich auch deren Wiederaufnahme. Aber nicht die Langeweile, die dieser Text verströmt, wenn er ohne Überraschungen von Seiten der Darsteller oder der Regie dem schlichten Anspruch preisgegeben wird zu unterhalten.


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