Kunst Kurz

Bild-Atome

Stadtleben | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 33/08 vom 13.08.2008

Der steirische Künstler und Computerexperte Gunther Skreiner nimmt sich der Grundlagen des Malerischen stets systematisch an: mittels Division. Hat er früher den Bildträger in präzis gesetzten, linearen Mustern konstruktiv aufgeteilt und folglich ausgerichtet, vertraut seine aktuelle Werkgruppe nun – nach Jahren künstlerischer Abstinenz – weit stärker auf die inhaltlichen Potenziale des Mediums Bild. Also splittert er Geschichten auf, in „Short Stories“, wie die im Grazer Künstlerhaus gezeigte Tintenstrahldruck-Serie (bis 7.9.) heißt. Er verdichtet quasi Narratives zu farblich unterschiedenen Symbolfamilien, mengt kleine Porträts berühmter Personen – von Sisi bis Angela Merkel, von William Shakespeare bis James Joyce – als Störenfriede allzu rascher Sinnvermittlung unter und verteilt die bunte Mischung dann recht locker – aber nach genauester Berechnung – auf sonst leeren weißen Großformaten. Im Physik-Lehrbuch erklären ähnlich weiträumig und scheinbar zufällig verstreute Atomkügelchen die hohe Entropie flüchtiger Gase. Und gleichfalls flüchtig sind die von Skreiners symbolischen Kürzeln initiierten, vom Rezipienten auch mithilfe eingespielter Tonbilder erst zu findenden Erzählungen. Kongenial hat Kurator Werner Fenz die Bilder an schräge, den Raum in Abstufungen trichterförmig verengende Wände gehängt, wodurch sie sowohl je für sich als auch in Überschneidung mit ihrer zwillingsähnlichen Verwandtschaft lesbar werden. Wenn man nur die oftmals rätselhafte Zeichensprache lesen kann.


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