Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 34/08 vom 20.08.2008

1988 wandte sich der Blick ostwärts. 1968 war es die CÇSSR gewesen, die uns interessierte, später dann die DDR. Jetzt, da die Wende zwar nicht zu ahnen, vielleicht aber zu spüren war, kam auch Ungarn ins Blickfeld. Christian Reder erinnerte in unserem Ungarn-Schwerpunkt daran, was uns so an Ungarischem alles umgab, ohne dass wir uns dessen bewusst waren.

Zum Beispiel Wassily. Dem „vom 23-jährigen Marcel Breuer entworfenen Stahlrohrsessel Wassily, diesem Inbegriff der Moderne, ist Kandinskys Vorname gegeben worden. In Pécs (Fünfkirchen) – wie Victor Vasarély – geboren, war Breuer als Student ans Bauhaus gekommen, und bald darauf gingen von ihm entwickelte Metallmöbel in Produktion.“

Der Zionismus und die Atombombe haben ungarische Väter. Theodor Herzl war gebürtiger Budapester, ebenso wie Edward Teller. Auch Sigmund Freud verbrachte eine wichtige Zeit seines Lebens in Budapest. Der Erfinder vom Bambi war Felix Salten, er hieß nicht so, sondern Siegmund Salzmann und ist geboren in Budapest.

Interessant ist Reders Einschätzung der rätselhaften ungarischen Sprache: „Dem Ungarischen wird nachgesagt, dass es nicht zur Strenge und zum sorgfältigen Untersuchen der Realität anhalte und zum, magischen Denken‘ und zu einer, Illusionskultur‘ ermutige, weil es so viele Schattierungen zulasse, das sich die Spuren von Inhalten und Bedeutungen mitunter in stimmungsvollen Rhythmen verlieren. Die in solchen Einschätzungen enthaltene Bewunderung für schamanistische Kommunikationsmöglichkeiten bestätigt, wie romantisch dieser eigene Mangel betrauert wird. Verbindend wirkt das Staunen über diese ganz andere, aus Westsibirien stammende ugrische Sprache. Erst seit 150 Jahren ist sie die offizielle Sprache Ungarns. davor war sie nur in den Unterschichten überliefert worden, die anderen haben Latein, Französisch oder Deutsch gesprochen.“ A. T.


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