Wir Edlen und ihr Wilden

Alexander Pollak und Paul Scheibelhofer | Politik | aus FALTER 34/08 vom 20.08.2008

KOMMENTAR Was hinter der Debatte um das Kulturdelikt steht.

Wenn es um den Umgang mit dem vermeintlich Fremden in der Gesellschaft geht, appellieren kritische Geister üblicherweise gegen die Kulturalisierung sozialer Probleme. Doch der „Vorstoß“ von Innenministerin Maria Fekter, ÖVP, für die Einführung des Tatbestandes „Kulturdelikt“ erfordert vielleicht eine andere Form der Replik: die Forderung einer umfassenden Kulturalisierung der Diskussion um Delinquenz.

Bekanntlich schuf die Innenministerin den Begriff des „Kulturdelikts“, um Taten zu benennen, die laut österreichischer Rechtsordnung strafbar sind, im Verständnis von Migranten jedoch zu ihren Traditionen gehören. Die Einführung dieses Tatbestandes solle dabei, so Fekter, eine Signalwirkung haben, um zu zeigen, dass bestimmte „fremde Bräuche“ in „unserer“ Werteordnung verpönt seien. Dieser Vorschlag sagt viel darüber aus, wie heutzutage über das Eigene und das Fremde geredet wird – und was dabei alles

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