Presseschau

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 34/08 vom 20.08.2008

Wer wissen will, was sich in Peking abseits des heimatlichen Medaillenstarwesens tut, ist leider größtenteils auf nicht-österreichische Tageszeitungen angewiesen. Ein kleines Beispiel: Yang Peiyi. Noch nie von ihr gehört? Sie war das Mädchen, das dem Olympiaeröffnungssong ihre Stimme gab, aber nicht auftreten durfte, weil sie, wie die kommunistischen Funktionäre befanden, zu dick und hässlich sei. An ihrer Stelle bewegte eine andere, hübschere die Lippen. Guardian, Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt – sie alle berichteten ausführlich über die kommunistische Fälschung. Österreichische Blätter vermeldeten es gar nicht oder als kuriose Randnotiz. Dass Peiyi das Symbol für ein überinszeniertes, von der kommunistischen Funktionärsangst vor Kontrollverlust geprägtes, steriles Olympia ist, scheint an unseren Sportreportern vor Ort vorbeizugehen. Wie überhaupt die politische Seite an diesen Spielen in der Berichterstattung wenig durchschimmert. Ausnahme: Die Kolumne „Hotel Tibet“ im Standard. Hier bemüht sich Fritz Neumann um kritischen Lokalkolorit. Mehr davon würde man gerne auch in anderen Blättern lesen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige