Kommentar

Wider die Vergötzung des Erfolgs

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 34/08 vom 20.08.2008

Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mit Markus Rogan. Der war mir in seiner medialen Dauerpräsenz davor zwar eher auf den Zeiger gegangen, aber als er dann seine Medaillen vergeigt hatte, war der Hämetümpel im finstersten Eck meines Herzens im Nu trockengelegt, sobald ich das Interview mit Rogan im Fernsehen gesehen hatte. Der Mann schämte sich, dass man sich schon mitschämen musste – aber nicht, weil er es vergeigt hatte, sondern weil ihm das jetzt so sichtbar peinlich war. Eine Epiphanie der Gnadenlosigkeit des Spitzensports kam über mich: Vier Jahre lang hat der Mann nur darauf hingearbeitet, sich Olympisches Gold zu holen, und jetzt waren diese Jahre praktisch umsonst! Das ist, als würde man bei nicht bestandener Matura wieder in die fünfte Klasse zurückversetzt werden. Eine entsetzliche Vorstellung!

Wäre Markus Rogan Schriftsteller und hätte er vier Jahre lang an einem Roman geschrieben, der jetzt von der Kritik vielleicht eher zwiespältig beurteilt worden wäre,


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