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Kultur | aus FALTER 34/08 vom 20.08.2008

SOZIOLOGIE

Christoph Kucklick: Das unmoralische Geschlecht

„Man kann gewiss seyn, daß die Welt längst zur großen menschenleeren Wüste geworden wäre, wenn bloss Männer darauf gesetzt worden wären … Sie würden unfehlbar in Kurzem sich alle einander gemordet haben.“

Nur die feminine Zähmung des brutalen Mannes könne die bürgerliche Gesellschaft retten, ist Jakob Sprengel im Jahr 1798 überzeugt – und mit dieser Meinung keineswegs allein. Beginnt doch bereits um 1800, so die zentrale These des Buchs, ein nie da gewesenes Unbehagen an der Männlichkeit um sich zu greifen. Es sind vor allem die des Feminismus unverdächtigen „bürgerlichen Meisterdenker“ wie Fichte, Humboldt, Kant und Hegel, die hier vorpreschen: Der Mann sei von „Natur“ aus triebhaft, gewalttätig und asozial und harre dringend der „Zivilisierung“.

Für Kucklick lässt sich die Geburt der negativen Andrologie nur vor dem Hintergrund der gewaltigen Umbrüche im Übergang von der Ständegesellschaft

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