Nüchtern betrachtet

Ich bin das Amerika der Tagediebe

Kultur | aus FALTER 34/08 vom 20.08.2008

Dieses Land ist eine Nation von Frühaufstehern. Und obwohl ich mich schon längst aus den geschützten Gefilden dissidenter Langschläferei verabschiedet und in den Mainstream der Kernaufstehzeit eingeklinkt habe – nur im Schutze eines sorgsam synchronisierten Familienferienrhythmus vermag ich bis in den hellen Vormittag hinein zu schlafen –, ist mir diese morgendliche kollektive Betriebsamkeit unsympathisch. Wenn ich aufstehe, sitzt man vis-à-vis schon an den Terminals und tätigt Termingeschäfte oder verkauft Heizdecken online, und auf den Dächern der Nachbarschaft, die allesamt ausgebaut werden, um Raum für trainingsjackentragende Enddreißiger zu schaffen, die sich Sorgen um die Kindergartenplätze ihrer ungeborenen Kinder machen, stehen die Bauarbeiter und denken an Poliebe mit Paarhufern. Ich vergönne echt allen alles, aber es wäre doch schön, wenn auch mal eine Ruhe wär. Neben der breiten Masse der Frühaufsteher gibt es nämlich auch noch ein Netzwerk an Tagedieben

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