Fragen Sie Frau Andrea

Pasta Schutta

Stadtleben | aus FALTER 34/08 vom 20.08.2008

Liebe Frau Andrea,

mein Freund und ich geraten uns regelmäßig darüber in die Haare, wie man Pasta Schutta richtig zubereitet: Er sagt, mit Tomatensoße, ich behaupte, mit Sugo bolognese. Bitte helfen Sie uns, wer hat Recht? Liebe Grüße,

Tini Patat, Leopoldstadt,

per Elektropost

Liebe Tini,

wie man Pasta Schutta zubereitet, weiß der Teufel, denn Pasta Schutta ist genau genommen kein Gericht, sondern die deutsch-österreichische Verballhornung der beliebten italienischen Urlauberspeise pasta asciutta con irgendwas. Gemeinhin versteht der hungrige Italienbesucher unter Pasta Schutta Spaghetti mit Fleischsoßgletscher und Parmesanspangipfel, ein Gericht, das reine Chimäre ist, denn es gilt als Erfindung der Touristen aus dem Norden. Italienern ist die Kombination aus neapolitanischen spaghetti und ragù bolognese völlig rätselhaft, denn ragù bolognese wird in Bologna klassisch auf tagliatelle all’uovo gegessen. Zubereitet wird es aus Rindsfaschiertem oder einer Mischung aus Rind, Kalb und Schwein, feingehackter Zwiebel, Karotten, Sellerie und Speck, die in Butter und Olivenöl gedünstet werden. Dazu kommen Rotwein und Paradeismark, gewürzt mit Salz und Pfeffer, mit Gewürznelken oder Muskatnuss. Gebunden wird mit Milch oder Mehl. Das Ragout wird bei niedriger Temperatur stundenlang gegart. Pasta asciutta (Pastaschutta ausgesprochen) heißt wörtlich getrocknete Pasta. Damit werden schlicht abgetropfte Nudeln bezeichnet. Tomatensauce, von den Neapolitanern pummarola genannt, dürfen Sie getrost in Ihre Spaghetti drehen, dagegen hat die Pastapolizei keine Vorbehalte.


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