Kunst kurz

Kultur | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 34/08 vom 20.08.2008

Ein auf dem Sperrmüll gefundener Federkasten, „dieser einfache Gegenstand mit seiner eigenen Schattendynamik und den inneren, unterteilenden Elementen“, war der Prototyp für die Reliefs, die der ungarische Künstler István Haász aus Holz und Karton baut. Die verwinkelten Flächen überzieht er mit Zeitungsausschnitten und bemalt sie mit Acrylfarbe. Im Museum der Wahrnehmung lässt sich (bis 7.9.) beobachten, wie das Wechselspiel von aneinander stoßenden, einander überschneidenden, sich zueinander überhaupt recht vielfältig verhaltenden Teilen Licht einfängt, umlenkt oder Schatten wirft. Hatte Yves Klein zum Verlassen irdischer Zusammenhänge auf das nach ihm benannte Blau gesetzt, ist für Haász Gelb – zumeist ein recht morbides, blasses – das adäquate Mittel, die Materialität des geometrisch Wohlgefügten zugunsten einer höheren Bestimmung zu kaschieren. Das durchschimmernde Zeitungspapier belebt die monochromen Flächen, als hätten diese Tiefe, als wäre hinter ihnen noch etwas. Womöglich stehen ja auch diese Zeilen einmal hinter lichtem Gelb. Ein poetischeres Ende wird sich jedenfalls kaum für sie finden lassen.


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