hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 34/08 vom 20.08.2008

Liverpool ist Anna Netrebko

Auch in kleinen Städten gibt es immer wieder Möglichkeiten, sich hoffnungslos zu verirren. Dann sollte man sich an Descartes erinnern und nicht bald hierhin, bald dorthin schweifen, noch weniger auf derselben Stelle stehen bleiben, sondern immer so viel wie möglich und nach derselben Richtung fortgehen und diese nicht aus schwacher Rücksicht verändern, denn so werden sie doch wenigstens an irgendein Ziel kommen, wo sie sich wahrscheinlich besser befinden werden als mitten im Walde. Natürlich kann es passieren, dass man dann auf einmal am Hilmteich steht, was noch mieser ist. Am miesesten aber ist es in Blackpool. Eine Studie kommt im Auftrag der Tories zu dem Ergebnis, dass es am sinnvollsten wäre, keine weiteren finanziellen und politischen Anstrengungen für nordenglische Hafenstädte zu unternehmen, da diese Städte im 21. Jahrhundert ihre Daseinsberechtigung verloren haben. Daseinsberechtigung klingt sehr autoritär bürokratisch, fast so schlimm wie Aufenthaltsgenehmigung, die man aber von einer Stadt kaum verlangen kann, weil sie kein Bewusstsein hat (Sie denkt nicht, aber sie ist trotzdem. Das sollte mal gesagt sein). Ansonsten wäre die Sache einfach und man könnte Blackpool, Stockport und die anderen Kaffs einfach ins nächste Flugzeug setzen und nach Afrika abschieben. Liverpool kriegt eine Ausnahmegenehmigung wegen kultureller Höchstleistungen.


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