Presseschau

Medien | Stefan Apfl | aus FALTER 35/08 vom 27.08.2008

Ingeborg Bachmann und Paul Celan waren nicht immer berühmt und tot. Davor waren sie bloß ambitioniert und ineinander verliebt. Zu einer Zeit, als zwei Liebende, durch Zeitläufe getrennt, einander Briefe schrieben. Das ging Jahrzehnte so dahin. Bis, kurz gesagt, er ertrank, sie verbrannte und beider Berühmtheit wuchs. Was, wenn nun ein findiger Forscher die intimen Briefe Jahre danach nicht nur aufstöbert, sondern sie auch noch als Buch veröffentlicht, das im Laden plötzlich vor einem liegt? Kann man das lesen? Eher nein, zu privat, man kannte die beiden ja nicht einmal persönlich. Was ist mit einem Artikel über das Buch? "Lange war diese Liebe ein großes Geheimnis", lautet der erste Satz in der deutschen Zeit. Das Gewissen knarrt und kracht. Kurz danach zitiert der Autor Bachmanns totale Liebesbekundungen und räsoniert: "In Wahrheit wird Ingeborg Bachmann, wie die meisten Sterblichen, wohl sich selbst am meisten geliebt und von Männern vor allem Selbstbestätigung erwartet haben." Hart, wenn auch wahr. Hier muss die Lektüre dennoch enden, in der ersten von sechs Spalten. Lieber nochmal "Malina".


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