Buch der Stunde

Leben in der Bar

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 35/08 vom 27.08.2008

Aus nicht restlos geklärten Gründen scheinen sich junge britische Frauen aus wenig glamourösen Verhältnissen, aber mit starkem Hang zu übermäßigem Alkoholkonsum besonders gut als Erzählerinnen zu eignen. Nach A.L. Kennedys wunderbar sarkastischer Schnapsdrossel Hannah Luckraft ("Paradies") und der grandios desorientierten Icherzählerin aus Chris Cleaves "Lieber Osama" hat nun Gwendoline Riley diesen Typus in ihre Heimatstadt geholt: Carmel McKisco ist 20, also nur um drei Jahre jünger als die Autorin war, als deren Debüt "Cold Water" 2002 im englischen Original erschien. Als sie 14 ist, stirbt ihr Vater, worüber die Tochter "erleichtert" ist: "Kurz danach zogen mein Bruder Frank, meine Mutter und ich aus unserer kleinen Doppelhaushälfte in Prestwich in eine kleine Doppelhaushälfte in Whitefield." Man muss wohl nicht dort gewesen sein, um zu ahnen, dass das kaum der nobelste Winkel von Manchester ist.

Carmel arbeitet in der Bar, da bleibt Zeit, sich schon am Nachmittag andernorts


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