Kritik kurz

Kultur | aus FALTER 35/08 vom 27.08.2008

Jean Tinguely Hundertwasser persönlich wünschte sich 1991, die Wechselausstellungen im Kunsthaus mit einer Schau von Jean Tinguely zu beginnen. Der Schweizer verstarb dann wenige Wochen nach der Wiener Eröffnung. Dank der vielen Leihgaben aus dem Basler Jean-Tinguely-Museum kann das Kunsthaus nun eine Retrospektive des Künstlers in Wien zeigen. Ein Tritt auf große rote Knöpfe am Boden versetzt die kinetischen Skulpturen in Bewegung, die in der schief-bunten Hundertwasser-Welt mehr als harmlos wirken. Weiße Hallen sind dieser Kunst zuträglicher, ein neutrales Setting, das ihren konzeptuellen Gehalt klarer zutage fördert. Denn Tinguely sägte seit Beginn seiner Laufbahn am Geniebegriff, der in der Nachkriegsmoderne noch so gerne bemüht wurde. Mitte der 50er-Jahre entstanden Leinwände, auf denen abstrakte Elemente langsam kreisen. Mit den kinetischen Reliefs "Trois points blancs" oder "Oeuf d'Onocrotale No. 2" bezog sich Tinguely auf den russischen Konstruktivismus. Jedoch sprengte


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