Stadtrand

Eau de Toilette

Stadtleben | aus FALTER 35/08 vom 27.08.2008

Wer in letzter Zeit im Kino war, kennt schon das neue Glanzwerk aus der städtischen Marketingschmiede: Wiener Wasser ist so sauber, dass es - im Werbespot - in einer Parfumflasche glitzert. Den Flakon krönt ein kleines WC. Dann drückt jemand die Spülung, und das "Eau de Toilette" ergießt sich ins Klo. Wir spülen unsere Toiletten mit funkelndem Trinkwasser aus - was für ein Luxus! Die Gemeinde will damit wohl einmal mehr zeigen, welch herrliche Vorteile die Stadt bietet: Trinkwasser in Klospülungen, smogfreie Voralpenluft, relative Sicherheit auf den Straßen. Die U-Bahn fährt, der Müll kommt pünktlich weg, und die Gemeindewohnungen sind auch nicht so teuer. Auf dass der undankbare Bürger auf all diese Errungenschaften nicht vergesse. Natürlich: Selbstverständlich ist das alles nicht. Damit hat die städtische Marketingschmiede Recht. Aber muss man es immer wieder zeigen? Gibt es irgendeine Stadt, in der so penetrant auf sauber, sicher und pünktlich hingewiesen wird wie in Wien? Ein Vorschlag für nach der Wahl: ein Monat Marketingpause. Dann lernt man es vielleicht mehr zu schätzen. J. G.


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