Fragen Sie Frau Andrea

Bombenschmarren

Stadtleben | aus FALTER 35/08 vom 27.08.2008

Werte Frau Andrea,

es gibt Speisen mit selbsterklärenden Namen, wie "Bratwürstel mit Sauerkraut". Andere wiederum verraten gar nichts. So der "Grenadiermarsch". Würden Sie mir bitte erklären, wie diese Speise zu ihrem Namen kam? Gesegnete Mahlzeit und vielen Dank!

Norbert Mottas, St. Valentin

Lieber Norbert,

das Lieblingsgericht von Barbara Wussow hat seinen Namen aus der Soldatensprache. Der üppige Schmarren aus Kartoffeln, Nudelfleckerln, Zwiebeln, Schmalz, Speck oder Wurststücken hieß in der ungarischen Reichshälfte Krumplis tészta oder Gránátos kocka (Grenadierwürfel). Der Scheiterhaufen aus Fett und Kohlehydraten war sättigend und für derbe Soldatenköche einfach zuzubereiten. Wurst und Speck verliehen ihm Exklusivität, denn Grenadiere galten als Eliteeinheiten. Sie trugen im Gegensatz zu gemeinen Soldaten krempenlose Mützen, die sich bald zu Riesengebirgen auftürmen sollten, wie wir sie von den Bärenfellmützen der britischen Grenadier Guards kennen. Die fehlende Krempe erleichterte den Grenadieren das Werfen ihrer Geheimwaffe, der Granate. Die verdankt ihren Namen dem Granatapfel, dessen kernreicher Fruchtkörper an das splitterreiche Innenleben der Granaten erinnern. Die genaue Herkunft der Bezeichnung Grenadiermarsch ist in Vergessenheit geraten, möglich, dass hier Verballhornungen stattfanden wie bei einem anderen Gericht der österreichischen Küche, dem Kaiserschmarren. Der war, Legenden zum Trotz, nicht die Leibspeise von Kaiser Franz Joseph. Kaiserschmarren ist schlicht die falsch ausgesprochene Version des Armengerichts Kaserschmarren, des Schmarrens der Kaserer.


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