Kunst Kurz

Paranoia

Kultur | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 35/08 vom 27.08.2008

Mirjana Peitler und Winfried Ritsch, das neue Führungsteam des Medienkunstlabors im Kunsthaus Graz, möchten in Zukunft das mit den neuen Technologien Machbare und das von der Wissenschaft darüber Denkbare näher zueinanderführen. Nach einer Klanginstallation von Olga Neuwirth beginnt nun mit der interaktiven Videoinstallation "I've seen someone that wasn't there" des Künstlerduos 2Meta (Maria Manolescu und Romelo Pervolovici) der visuelle Teil ihres Programms. Und verdeutlicht (bis 14. 9.) gleich den hehren Anspruch, Grundlagenforschung am Thema Medienwirklichkeit zu inszenieren. Konkreter geht es hier ums Medium Bild. Perspektivisch konstruierte Bilder rechnen ja nicht einfach mit Betrachtern, sondern sie sind auf einen konkreten Betrachterstandpunkt hin berechnet, von wo aus dann das Bild zur Illusionsmaschine wird. Es zeugt fremde und deshalb wohl erstaunliche Blicke, bevor der Bildbetrachter den ihm zugedachten Standpunkt wieder verlässt. Die Täuschung bricht jäh zusammen, weicht einer Enttäuschung, die dem Betrachter harsch erklärt, dass er sich dummerweise wieder einmal täuschen ließ. Damit ist jetzt aber Schluss. Die Videoinstallation der Gruppe 2Meta geht von vornherein ehrlicher mit dem Betrachter um. Nichts anderes tut sie, als die Funktion des Mediums Bild wortwörtlich in sich abzubilden. Also wird der Betrachter von Hunderten - übrigens kaum furchteinflößenden - Augenpaaren und allen Seiten angeschaut. Und schließlich ist die Installation auch interaktiv, weiß mittels Sensoren zu jeder Zeit um den Standpunkt des Betrachters und sich selbst darauf neu einzurichten. So wird man permanent verfolgt, womit das Subjekt und das Objekt der Betrachtung vermeintlich ihre Rollen tauschen.


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